1998 erschien "Ein gelbes Plastikthermometer in Form eines roten Plastikfisches", das ich entworfen, ausgestattet und von Hand gesetzt habe. Es wurde auf motorgetriebenen Pressen gedruckt und industriell als Drahtrückstichbroschur gebunden.
Das Buch ist noch lieferbar, (hier und auf den Folgeseiten wird seine Geschichte erzählt) sowohl in der Druckerey als auch via Amazon. Nun soll zehn Jahre nach dem ersten ein weiteres erscheinen, diesmal aber handgedruckt und handgebunden und deshalb in einer viel kleineren Auflage (nur 500). Die neuen Texte von Max Goldt liegen vor, jetzt wurden Papiermuster bestellt, demnächst werden die ersten Entwürfe skizziert. Es wird wieder jede Textseite einen eigenen typografischen Entwurf bekommen, und wir werden viele unserer Bleisatzschriften zeigen. Und lassen wir die Leser über die Produktion im Dunkeln? Nein. Jeder Schritt hin zum fertigen Büchlein wird im Blog dokumentiert werden. Aber es dauert noch. Solange das Papier noch nicht bestimmt ist, kann nichts gedruckt werden, kann nichts gesetzt werden, kommt keine Inspiration über mich, halten die Musen sich mit Einflüsterungen zurück. Wenn es losgeht - hier wird man es erfahren. Oder vielmehr auf einer neuen Seite, die gerade eingerichtet wird, denn typografisch ist dieses Blog hier nicht so zu handhaben, wie ich es mir wünschte.
Freitag, 19. Oktober 2007
Max Goldt
Donnerstag, 18. Oktober 2007
8 Auflagen in 30 Jahren
MIT FOTOS gibt's den Beitrag HIER
Das Buchdruck-Handwerk war zwar entscheidend für Reformation und Wissenschaft, aber mit seinen noch nicht einmal 600 Jahren (erfunden um 1440) noch nicht alt. Jedem fallen sofort Handwerksberufe ein, die es sehr viel länger gibt. Und dann hat sich der Buchdruck auch immer sehr schnell gewandelt. Wie früh die Industrialisierung es den kleinen Betrieben schwer machte, kann man in Balzacs "Verlorenen Illusionen" nachlesen, wo schon Anfang des 19. Jahrhunderts die kleinen Druckereien unter Preisdruck gesetzt wurden von größeren. Die Ein-Mann-Druckerei hat im Grunde gar keine Geschichte. Schon mit Gutenbergs Bibel waren etliche Setzer und Drucker befaßt. Kleine Werkstätten wie die meine verwalten nun das Erbe und stemmen sich gegen Verfall und Vergessen. Vielleicht aber hat Handarbeit eine längere Zukunft als uns heute vor Augen steht.
Wenn ein Drucker nicht nur produziert, sondern auch aufsammelt und archiviert, was an technischer Literatur zu vergehen droht, fallen ihm gelegentlich Stücke in die Hände, welche die Zeit schrumpfen lassen. Auf diesen Fotos sind zwei Bücher zu sehen, nämlich ein ausgezeichnetes Lehrbuch für Schriftsetzer in der Erstauflage von 1904 mit marmoriertem Kopf- und Vorderschnitt, der Halbleinen-Einband mit einem marmorierten Buntpapier bezogen, daneben die 8. Auflage aus dem Jahr 1934, inhaltlich überarbeitet, deutlich umfangreicher, im nüchtern blauen Halbleinen, typografisch modernisiert, als Handwerksstück weniger liebreizend. Dafür ausgestattet mit dem Exlibris eines gewissen Emil Kilgast, dem ich mein eigenes beigesellte. Das Exemplar von 1904 gehörte einem gewissen Carl Birnbaum, der es nur mit einem Stempel versah.
Lernen kann ich aus diesen Büchern nur wenig, es ist das zusammengefaßte Wissen des Schriftsetzers, aber da ich diesem Beruf vor mehr als einem Vierteljahrhundert, im Alter von 14 Jahren, nähertreten durfte, fehlt es mir zwar noch an vielem, vor allem der typografische Erfahrungshunger ist kaum zu stillen, aber kaum an technischen Kenntnissen und Fertigkeiten, wie sie in Büchern stehen. Viel interessanter sind freilich immer die praktischen Fragen, deren Lösungen nicht aus Büchern zu lesen sind, sondern auf die man die Antworten im Tun selbst erfinden muß. Zum Beispiel: Wie schließt man eine im Druck sichtbare Nahtstelle zwischen zwei Linien? Oder wie verlängert man eine Englische Linie, ohne daß es im Druckbild auffällt? Herrliche Probleme!
Dienstag, 16. Oktober 2007
Blau mit Paul Renner
Mit Bildern gibt es den Beitrag im neuen Blog: hier.
Freilich hilft die theoretische Farbenlehre, aber Sehen muß man selbst lernen. In der Berufsausbildung für Schriftsetzer, die mit zwei Jahren viel zu kurz war (der Sozialistischen Einheitspartei ging es nicht um Bildung, sondern um Produktivität), kam der Besuch von Kunstausstellungen erst im zweiten Lehrjahr vor.
Suchen Mediendesigner heute mit ihren Lehrern Kunstgalerien auf und Ausstellungen von Kunsthandwerk und Design? Ich würde es ihnen wünschen, zumal die Arbeit am Computer keinen leichten Umgang mit Farbe erlaubt, weil jede Farbe nur auf einem farbunsicheren Bildschirm gezeigt wird. Aber selbst schwarze Farbe sieht auf verschiedenen Papieren anders aus. Man setzt blau und braun hinzu, um bestimmte Effekte zu erzielen, die der Laie nur unbewußt wahrnimmt. Der Betrachter soll auch gar nicht erkennen, warum ihm etwas gefällt. Erst recht beim Mischen farbiger Farben kommt niemand um die Praxis mit dem Material herum.
Ich verwende für meine Arbeit eine Farbenlehre von Paul Renner, die 1947 erschien. Im Textpapier steckt zwar schon der Gilb (das macht das Lignin), aber die Farbtafeln (gedruckt von der Graphischen Kunstanstalt Willy Köstlin in Stuttgart) wirken frisch und sind bis heute unverfälscht, was man im Vergleich aller Farben gut sehen kann, da sie nicht gleichmäßig ihr Aussehen verändern würden (am empfindlichsten ist rot). Da ich alte Technik einsetze, lese ich alte Lehrbücher.
Für eine Karte aus elfenbein getöntem Echt Bütten hatte ich zwei Farben zu kombinieren, die beide nicht rein sein sollten und einen ähnlichen Helligkeitswert zeigen, aber deren Richtung einen deutlichen Gegensatz zeigen sollte. Eine Farbenlehre kann ich hier nicht wiedergeben, aber ein Zitat von Paul Renner verdeutlicht einen Teil der Aufgabe: "Die Veränderung des Aussehens gleichzeitig gesehener Farben unterliegt einem sehr einfachen Gesetz; wie sich zwei lebhafte Menschen im Gespräch dazu hinreißen lassen, Ansichten zu vertreten, die sie gar nicht haben, indem ein jeder der Ansicht des Anderen widerspricht, so nimmt die Farbe in der Nachbarschaft einer anderen etwas von deren Gegenfarbe an; das verändert ihr Aussehen um so mehr, je farbloser sie selbst und je entschiedener die Nachbarfarbe ist." Na, nun mische mal braun gegen blau!
Renner empfiehlt übrigens, immer eine Sammlung von Naturgegenständen um sich zu haben und sich gelegentlich dahinein zu versenken, Steine, Vogelfedern, getrocknete Gräser usw., um die Farbgebung aus der Natur zu verinnerlichen. Auch in den Himmel zu schauen, ist eine sinnvolle Übung für den Drucker. Städteansichten bilden keine Hilfe, weil sie mit ungeschlachten und rohen Zumutungen vollgestellt sind: Grelle Fassaden (abgesehen von den echten Backsteinbauten, die schöne bewegte Flächen zeigen), schlimme Reklame, Schilder, vor allem aber Autos, die als quietschbunte Ansammlung der Ausstaffierung eines Kinderzimmer gleichen, das ungebildete Eltern eingerichtet haben.
Montag, 15. Oktober 2007
Kopfstand der Typen
Warum sieht man Bleischrift auf Fotos so oft kopfstehend? Weil der Schriftsetzer von links nach rechts setzt, so wie wir lesen, und das kann er nur, wenn er die Typen umdreht. Im Winkelhaken, wo er die einzelnen Lettern zur Zeile sammelt, liest er auch gleich die erste Korrektur, denn hier zu verbessern geht viel schneller, als wenn die Kolumne erst fertig oder gar die Druckform schon gebaut ist.
Es gibt Schriftsetzer, die heute im Offsetdruck arbeiten, weil sie sich dem technischen Fortschritt nicht so stur entziehen konnten oder wollten wie ich und ihre Betriebe umgestellt haben. Neulich plauderte ich mit einer Prinzipals-Kollegin, die heute eine Offsetdruckerei führt, und ich erfuhr, daß sie manchmal bei der Anfertigung der Offsetplatten den Film verdreht, weil sie Spiegelschrift genauso wahrnimmt wie ungespiegelte.
Sonntag, 14. Oktober 2007
Kommt ein Paket aus Ratingen
Mit Fotos gibt es den Beitrag nun hier.
Kommt ein Paket aus dem Bleisatz-Magazin (Ratingen) in fremde Hände, die es freundlicherweise für mich entgegengenommen haben, werden die Arme lang und die Augen groß. "Ist da Blei drin?" Wenn ich das bestätige, glaubt man mir erst nach kurzer Erklärung. Hier nun ein Paket, das mich am Freitag erreichte. Es enthielt einen Satz der Schrift "Elegance", von Karlgeorg Hoefer nach seiner eigenen Handschrift entworfen und 1968 von der Schriftgießerei Ludwig et Mayer in Offenbach (später Frankfurt am Main) gegossen. Ich habe tatsächlich eine gußfrische Schrift aus Ratingen vor mir. Für einen Schriftsetzer und Drucker in Personalunion bedeutet eine gußfrische Schrift doppelte Freude: Der Setzer bekommt weniger schnell schmutzige Hände wie von älteren Schriften, an denen die Druckfarbe nie ganz abgewaschen werden kann; der Drucker wird wenig Probleme haben mit der Zurichtung der Druckform, weil alle Buchstaben gleichmäßig unbenutzt sind, nicht unregelmäßig abgenutzt wie bei älteren Schriften.
Nach dem Auspacken wird die Schrift in einem Steckschriftkasten aufgestellt, sie ist zu groß für den gewöhnlichen Setzkasten, wie sie für die kleineren Grade verwendet werden. Wie schön das ist, bitte sehen Sie selbst:
Mit Fotos gibt es den Beitrag nun hier.